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Sonnenhaus: Energie zum Nulltarif

Mediterrane Architektur

13. August 2020 Kommentare deaktiviert für Quer zum Hang Views: 1988 Hausideen

Quer zum Hang

In Hanglage mit spektakulärem Ausblick entstand in Warburg ein Einfamilienhaus, bei dem sich der Bauherr von einer ebenso außergewöhnlichen wie funktional durchdrungenen Entwurfsidee leiten ließ. Die wesentlichen Nutzungsbereiche überzeugen durch Transparenz und die Auflösung von Innen- und Außenraum – realisiert durch großflächige Verglasungen in Kombination mit Hebe-Schiebewänden.

Außergewöhnlich: Quer statt parallel zum Hang ist der gestreckte, riegelförmige Baukörper mit seinem verglasten "Kopf" ausgerichtet. Auf beiden Wohnebenen ergeben sich spektakuläre Blicke auf Warburg, das Umland sowie den gestalteten Freiraum. Bild: Schüco

Außergewöhnlich: Quer statt parallel zum Hang ist der gestreckte, riegelförmige Baukörper mit seinem verglasten „Kopf“ ausgerichtet. Auf beiden Wohnebenen ergeben sich spektakuläre Blicke auf Warburg, das Umland sowie den gestalteten Freiraum. Bild: Schüco


Schöner kann ein Ausblick kaum sein: Das Gelände bildet ein Halbrund aus, in dessen Zentrum zuvor der Altbau aus dem Jahre 1955 positioniert war. Es handelte sich um ein parallel zum Hang ausgerichtetes, eingeschossiges Satteldachhaus in konventioneller ortsüblicher Bauweise mit ausgebautem Dachgeschoss und großer Gaube. Das Bestandsgebäude – Elternhaus des Bauherrn – war im Jahre 1987 um einen Anbau mit postmodernen Stilelementen erweitert worden, das im Anschluss mit der mehrköpfigen Familie bezogen wurde. Man sprach im örtlichen Umfeld vom „Haus in der Wiege“, was die besondere Einbettung in den Hang anschaulich beschreibt. Die Hauptblickrichtung ist Südost, den Hang hinab auf Warburg und Umland, am Horizont auf einer Erhebung vulkanischen Ursprungs die Burgruine Desenberg in der Warburger Börde.

Übergang zu dem im Jahre 1987 renovierten Altbau (links angrenzend), der weitere 120 m² Nutzfläche für Gäste und Familie bietet. Großflächige Festverglasungen und verglaste Türen leiten auch hier das Tageslicht in den Baukörper. Bild: Schüco

Übergang zu dem im Jahre 1987 renovierten Altbau (links angrenzend), der weitere 120 m² Nutzfläche für Gäste und Familie bietet. Großflächige Festverglasungen und verglaste Türen leiten auch hier das Tageslicht in den Baukörper. Bild: Schüco

Ideenwettbewerb für Neubau

Gedanken an die mögliche Sanierung des Altbaus hatte der Bauherr recht bald schon verworfen. Der Aufwand hätte dem eines Neubaus entsprochen, ohne auch nur annähernd gleiche Freiheiten in der Gestaltung und Raumaufteilung zu eröffnen. Nachdem der Entschluss für einen Neubau gefasst war, erfolgte eine Einladung an vier lokale Architekturbüros zu einem Ideenwettbewerb. Dieses „architektonische Brainstorming“ war durch größtmögliche planerische Freiheiten gekennzeichnet. Transparenz und Offenheit, Modernität und Energieeffizienz waren als Ziele gesetzt, allerdings ohne weitere geschmacklich-stilistische Vorgaben. Aus dem Wettbewerb ging der Entwurf von Ladleif Architekten, Kassel, als favorisiert hervor. Der Bauherr hatte sich offen für einen außergewöhnlichen Gesamtentwurf gezeigt, dessen markantestes Merkmal ein länglicher, quer zum Hang arrangierter Baukörper ist. Die ungewöhnliche Querausrichtung und der im vorderen Drittel über dem Hang schwebende Auslauf des Riegels sind durchdachte Kunstgriffe des Architekten: Auf zwei Ebenen übereinander liegend, sind die hauptsächlichen Wohnzonen gleichwertig zur Ausblickseite orientiert – im Erdgeschoss die großflächig über Eck verglaste Wohnküche, im Obergeschoss der Wohnraum mit vorgelagerter Terrasse.

Farbliches Bindeglied zwischen den weinroten Eternit-Fassadenplatten, dem Weiß der Decken und Wände sowie den Eiche-Vollholzplatten und Basaltplatten sind die in mattgrauer Metallic-Feinstruktur ("Tigerlack") beschichteten Systemprofile der verglasten Elemente. Bild: Schüco

Farbliches Bindeglied zwischen den weinroten Eternit-Fassadenplatten, dem Weiß der Decken und Wände sowie den Eiche-Vollholzplatten und Basaltplatten sind die in mattgrauer Metallic-Feinstruktur („Tigerlack“) beschichteten Systemprofile der verglasten Elemente. Bild: Schüco

Dialog moderner und ortsüblicher Baustoffe

Die Variation in der Fassadengestaltung des Neubaus trägt zur Differenzierung des Baukörpers und der Wohnzonen bei. Das Obergeschoss des Neubaus ist mit durchgefärbten weinroten Eternitplatten als vorgehängte hinterlüftete Fassade ausgebildet. In die horizontal gegliederte Verlegestruktur der Faserzementplatten integrieren sich filigran profilierte Fensterbänder und Lichtöffnungen, die um den Raum für den außen liegenden, verdeckt eingebauten Sonnenschutz leicht in die Fassade zurückversetzt sind. Im Erdgeschoss – Empfangsbereich, Erschließungszone und zum Hang hin eine geräumige Wohnküche – wechselt die Fassadengestaltung zwischen transparenten und geschlossenen Flächen und mündet zum Hang hin in eine raumhohe Übereck-Verglasung, die beim Kochen und Essen ganzjährig den klar gegliederten Freiraum bis zum Grundstückseingang wahrnehmbar macht. Der Neubau ruht im vorderen Bereich auf einem Sockel aus Wesersandstein, der das Gebäude am äußeren Rand der Terrassen U-förmig einfasst und den Dialog mit den historischen Einfriedungen an der Bergseite des Grundstücks aufnimmt. Überdies beherbergt der Sockel eine Tiefgarage für mehrere Fahrzeuge.

Küche im EG mit "Pilotenblick": Vor Kopf die Sicht auf Warburg und Umland, zur Seite freier Blick über das Gelände bis zur Grundstücksgrenze. Optisch ist die Trennung von innen und außen ganzjährig aufgehoben, in den wärmeren Jahreszeiten aufgrund der Schiebewände auch funktional. Bild: Schüco

Küche im EG mit „Pilotenblick“: Vor Kopf die Sicht auf Warburg und Umland, zur Seite freier Blick über das Gelände bis zur Grundstücksgrenze. Optisch ist die Trennung von innen und außen ganzjährig aufgehoben, in den wärmeren Jahreszeiten aufgrund der Schiebewände auch funktional. Bild: Schüco

Übergangslos von innen nach außen

Einen bemerkenswerten Beitrag zur Wohnqualität leisten die Verglasungen, speziell die als Hebe-Schiebewände ausgebildeten Lichtöffnungen der Küche im EG und des Wohnraums im OG. Optisch und funktional heben sie die Trennung zwischen Innenraum und Außenbereich nahezu auf, insbesondere auch durch die Möglichkeit, die großen Elemente bei schönem Wetter zu öffnen und nahtlose Übergänge vom Haus zu den angrenzenden Terrassen zu schaffen. Diese „Nahtlosigkeit“ der Übergänge wird durch identische Materialien für die Böden – im EG Basaltplatten, im OG Eiche Vollholzplatten – unterstrichen.

Wohnraum und Terrasse im ersten Obergeschoss: Die großflächige Hebe-Schiebetüranlage ist um Terrassenbreite zurückversetzt, was die sommerliche Erwärmung vermeidet. Zusätzlichen Lichteinfall bietet die Dachverglasung. Bild: Schüco

Wohnraum und Terrasse im ersten Obergeschoss: Die großflächige Hebe-Schiebetüranlage ist um Terrassenbreite zurückversetzt, was die sommerliche Erwärmung vermeidet. Zusätzlichen Lichteinfall bietet die Dachverglasung. Bild: Schüco

Modernste Systemtechnik

Während bei der Fassadengestaltung im Zuge der Planung auch Stahl und Kupfer als alternative Plattenmaterialien zur Diskussion standen, war bei den Systemverglasungen der Einsatz hochwertiger Aluminium-Profilsysteme unstrittig. Der Wunsch nach schlanken Profilansichten, Automatisierbarkeit, einer durchgehenden Systemoptik bei Türen, Fenstern, Festverglasungen und Lichtdächern sowie die Notwendigkeit hoher statischer Belastbarkeit angesichts der imposanten Elementmaße waren wesentliche Gründe für die Wahl der Schüco Systemfamilie.

Das Objekt wurde u. a. auch in Verbindung mit einem verglasten Aufzug im hinteren Teil des Gebäudes insgesamt so konzipiert, dass es unabhängig vom Lebensalter der Bewohner komfortabel nutzbar ist. Besonderheit aller in Fassade und Dach verbauten Aluminium-Profilsysteme ist die Oberflächenbeschichtung der Profile. Der Bauherr wählte hier eine hochwertige, strukturierte Mattbeschichtung „Tigerlack“ in grau, die mit der Tönung und natürlichen Brillanz der Verglasungen harmoniert und zugleich eine gliedernde Struktur sowie einen eleganten farblichen Kontrast zu den Fassadenflächen in weinrot und weiß bildet.

Teil des Entwurfs von Ladleif Architekten, Kassel, ist ein ausgefeiltes Freiraumkonzept mit Sandstein-Trockenmauern und Terrassierungen, das sich organisch dem halbrund ausgebildeten Hanggrundstück anpasst und den Baumbestand integriert. Bild: Schüco

Teil des Entwurfs von Ladleif Architekten, Kassel, ist ein ausgefeiltes Freiraumkonzept mit Sandstein-Trockenmauern und Terrassierungen, das sich organisch dem halbrund ausgebildeten Hanggrundstück anpasst und den Baumbestand integriert. Bild: Schüco

Energieeffizient und unabhängig

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit waren neben der Gestaltung und Funktionalität gleichwertige Planungsthemen. Der Bauherr wollte regenerative Energien eingesetzt wissen, lehnte allerdings eine Abhängigkeit von nur einer Energiequelle ab. So besteht die Lösung aus einer Kombination von Pellet-Heizkessel und bedarfsgerecht zuschaltbarer Erdgas-Brennwerttherme, die als Spitzenlastkessel vorgehalten wird. Auf dem Flachdach positionierte Solarthermie-Module sorgen ganzjährig für die Warmwasserbereitung. Das Gebäude verfügt über Fußbodenheizung auf allen Ebenen sowie über ein kaum sichtbar bergseits in die Fassade integriertes Lüftungssystem, das als dezentral kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ausgelegt ist. In dieser „unabhängigen“ Kombination von Maßnahmen kommt der Neubau auf sehr gute Verbrauchswerte – der Nutzenergiebedarf liegt bei 56 kWh/m²a, der Endenergiebedarf bei 66 und der Primärenergiebedarf bei 18 kWh/m²a.

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